Der Fielmann Ratgeber:

Grüne Augen: Herkunft, Geschichte und Bedeutung

Grüne Augen haben seit jeher etwas Magisches an sich. Nur rund 2 Prozent der Weltbevölkerung besitzen diese außergewöhnliche Augenfarbe – und das macht sie im Alltag umso beliebter. Allerdings war das nicht immer so. Geschichtlich betrachtet hatten es Menschen mit grünen Augen oft schwer. In diesem Beitrag widmen wir uns der Entstehung grüner Augen, der genetischen Komponente hinter der Augenfarbe und der geschichtlichen Bedeutung, die grünen Augen nachgesagt wird.

Artikel wurde von Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Grein geprüft  

Auf einen Blick

  • Die grüne Augenfarbe gilt als die seltenste auf dieser Welt. Nur rund 2 % der Weltbevölkerung tragen grüne Augen.

  • Sie entsteht durch eine Genmutation in der Iris.

  • Die Melaninkonzentration bei grünen Augen bewegt sich im mittleren Bereich – dadurch sind viele verschiedene Farbtöne möglich, von Hellgrün bis Dunkelgrün.

  • In der Geschichte galten Menschen mit grünen Augen stets als mystisch. Das führte zu Verehrung, aber auch zur Verfolgung.

  • Die Seltenheit grüner Augen sorgt noch heute dafür, dass sich viele Mythen um Menschen mit grünen Augen ranken.

Definition und Beschreibung: Das steckt hinter grünen Augen

Grüne Augen sind weltweit eine Seltenheit. Sie kommen in unterschiedlichsten Farbvarianten vor: Grünbraun und Grünblau gelten als die häufigste Variante, Smaragdgrün und Grüngrau sind deutlich seltener – und manchmal kommt es sogar vor, dass grüne Augen mit einem leichten Gelbstich einhergehen.

Der Grund dafür liegt in der Melaninkonzentration der Iris verborgen: Braune Augen entstehen durch sehr viel Melanin, blaue Augen durch sehr wenig. Grüne Augen liegen dagegen genau im Mittelfeld – etwas mehr Melanin und die Augen erscheinen dunkler, etwas weniger Melanin und die Augen erscheinen heller. Dementsprechend ist die grüne Augenfarbe besonders individuell und weltweit in unterschiedlichsten Ausprägungen vertreten.

Regionale Unterschiede: Wie verbreitet sind grüne Augen?

Menschen mit grünen Augen sind echte Glückspilze: Nur 2 Prozent der Menschen weltweit tragen diese seltene Augenfarbe. Selbst blaue Augen, die ebenfalls als selten gelten, sind mit 8 bis 10 Prozent weltweit häufiger vertreten.

Besonders verbreitet sind grüne Augen in Nord- und Zentraleuropa, wobei Schottland besonders hervorsticht. Hier haben stolze 29 Prozent der Einwohner grüne Augen – eine beeindruckend hohe Zahl vor dem Hintergrund, dass die Verbreitung weltweit deutlich geringer ist.

Vererbung: Genetik grüner Augen

Die Augenfarbe eines Menschen wird vor allem durch die Gene bestimmt – insbesondere durch jene, die die Produktion und Verteilung von Melanin, dem Pigment in der Iris, regulieren. Zwei Gene spielen dabei eine zentrale Rolle: OCA2 und HERC2. Sie beeinflussen maßgeblich, wie viel Melanin in der Iris eingelagert wird.

Grüne Augen entstehen in der Regel, wenn die Melaninkonzentration moderat ist – also mehr als bei blauen, aber weniger als bei braunen Augen. Dadurch entsteht eine große Bandbreite an Grüntönen.

Neben der genetischen Veranlagung beeinflussen auch physikalische Effekte die Wahrnehmung der Augenfarbe. Eine bedeutende Rolle spielt dabei die sogenannte Rayleigh-Streuung: Kurzwelliges Licht – insbesondere im blauen Spektralbereich – wird an sehr feinen Strukturen in der Iris gestreut. Dieser Effekt ist besonders bei blauen Augen ausgeprägt, da in den vorderen Irisschichten kaum Melanin vorhanden ist, das das Licht absorbieren könnte. Bei grünen Augen hingegen trifft eine moderate Menge an Melanin auf den Streueffekt. Die Kombination aus selektiver Lichtstreuung, teilweiser Absorption und Reflexion führt dazu, dass wir die Iris als grün wahrnehmen.

Damit geht in diesem Fall noch ein ganz besonderer Effekt einher: Das Umgebungslicht, die Kleidung und das Make-Up können grüne Augen anders erscheinen lassen, sodass diese Augenfarbe als ausgesprochen dynamisch gilt.

Grün gilt als dominante Augenfarbe und wird daher gut weitervererbt. Es lässt sich allerdings nicht exakt vorhersagen, welche Augenfarbe ein Kind haben wird. So gelten braune Augen als noch dominanter – bei einem grünäugigen und einem braunäugigen Partner wird das Kind also mit großer Wahrscheinlichkeit braune Augen haben. Im Vergleich zu blauen Augen sind jedoch grüne Augen dominanter, sodass bei einem blauäugigen und bei einem grünäugigen Partner das gemeinsame Kind vermutlich grüne Augen haben wird.

Grüne Augen bekommen – diese Möglichkeiten gibt es 

In manchen Ländern sind grüne Augen derart beliebt, dass sich Menschen freiwillig gefährlichen Operationen unterziehen, um ihre Augenfarbe ändern zu lassen. Vor allem in Brasilien ist das Irisimplantat eine verbreitete Methode zur Änderung der Augenfarbe. Dabei wird ein farbiges Implantat vor die Iris gelegt, um die Farbe zu verändern. Allerdings ist diese Operation mit zahlreichen Risiken verbunden und kann zu schweren Schäden am Auge führen.  

Deutlich harmloser sind dagegen farbige Kontaktlinsen, die bei Bedarf getragen werden können. Sie sind mit grünen Farbpigmenten ausgestattet und lassen das Auge dadurch grün schimmern. Im Hinblick auf die Verträglichkeit stehen sie gewöhnlichen Kontaktlinsen mit Sehstärke in nichts nach.

Kulturelle und historische Bedeutung grüner Augen

Menschen mit grünen Augen haben im Lauf der Geschichte immer wieder eine wichtige Rolle gespielt. In der antiken Zivilisation wurden grüne Augen als Zeichen der Gottheiten gedeutet und mit übernatürlichen Kräften in Verbindung gebracht. Vor allem im alten Ägypten wurden grüne Augen verehrt: Sie standen für den Gott Osiris, der auch in Darstellungen häufig mit grünen Augen und grüner Haut dargestellt wird. Als Symbol für die Wiedergeburt hatten Menschen mit grünen Augen daher einen ganz besonderen Stand in dieser Zeit.

Auch im alten Rom galten grüne Augen als Zeichen für Schönheit und waren sehr begehrt. Hier sagte man den Menschen vor allem eine tiefe Verbindung zur Natur nach, sodass man sie häufig für Heiler hielt.

Die Mystik, die hinter grünen Augen steckt, wurde aber auch vielen Menschen zum Verhängnis. Im Mittelalter war die Augenfarbe eng mit der Hexerei verbunden, sodass viele Menschen mit grünen Augen der mittelalterlichen Hexenjagd zum Opfer fielen. Gleichzeitig ging diese Zeit erstmals mit einem tiefen Interesse für Augenfarben und deren Bedeutung für den Menschen einher.  

Einfluss der Augenfarbe auf den Charakter

Auch heutzutage halten sich noch viele Mythen rund um Menschen mit grünen Augen. Gemäß einer Umfrage der Universität von Queensland gelten grünäugige Menschen häufig als kreativer. Zudem wird ihnen eine gewisse Zähheit nachgesagt – sie können besser mit Schmerzen und schweren Schicksalsschlägen umgehen, wie Wissenschaftler der Universität Pittsburgh herausfanden.

Eine Online-Umfrage mit vielen Teilnehmern, die sich mit den unterschiedlichen Charaktereigenschaften im Hinblick auf die Augenfarbe widmete, fand zusätzlich heraus, dass Menschen mit grünen Augen ruhiger und ausgeglichener sind und seltener zu Wutausbrüchen neigen. Außerdem scheinen Menschen mit grünen Augen gerne langfristige Beziehungen einzugehen und gelten damit als gute Partner. Inwiefern es tatsächlich einen Zusammenhang von Augenfarbe und Charakter gibt, ist aber bis heute nicht abschließend geklärt.

Herausforderungen und Pflege für grüne Augen

Ähnlich wie blaue Augen gelten auch grüne Augen als besonders lichtempfindlich. Erkrankungen am Augenhintergrund, die mit UV-Exposition in Verbindung gebracht werden, sind bei solchen Augenfarben häufiger. Bisher ist jedoch nicht abschließend geklärt, ob eine erhöhte UV-Durchlässigkeit der Iris oder eine geringere Pigmentierung des Pigmentepithels der Netzhaut dafür verantwortlich ist.

Auch wenn Menschen mit hellen Augen möglicherweise empfindlicher auf grelles Licht reagieren, ist die Augenfarbe allein kein Hinweis auf eine schlechtere Sehschärfe oder eine höhere Wahrscheinlichkeit für Fehlsichtigkeiten. Bisherige Studien konnten nicht belegen, dass Menschen mit dunklen Augen grundsätzlich besser sehen. Die Wissenschaft geht daher aktuell davon aus, dass die Augenfarbe keinen Einfluss auf die Sehleistung hat. Unabhängig von der Augenfarbe können jedoch Augenkrankheiten oder Fehlsichtigkeiten auftreten, die das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen erforderlich machen.

Grüne Augen in der Popkultur

Die Faszination, die hinter grünen Augen steht, hat nicht nur geschichtlich einen großen Einfluss, sondern spielt auch in der heutigen Popkultur noch immer eine wichtige Rolle. So gibt es viele Stars und Berühmtheiten, die vor allem für ihre grünen Augen bekannt sind – allen voran natürlich Angelina Jolie, deren grüne Augen als Grundlage des verführerischen Aussehens dienen. Auch Adele unterstreicht ihre musikalische Kreativität gern durch grüne Augen, ähnlich wie Rihanna, die ihre grünen Augen auf Bildern geschickt in Szene setzt.

Aber auch bei Männern wirken grüne Augen geheimnisvoll und mystisch. Der Schauspieler Kiefer Sutherland begeistert in Filmen regelmäßig mit seinen grünblauen Augen, bei Josh Henderson zeigt sich sogar eine faszinierende Heterochromie, die mit einem blauen und einem grünen Auge einhergeht.

Grüne Augen im Tierreich

Grüne Augen sind nicht nur beim Menschen selten und faszinierend, sondern gelten auch im Tierreich als Rarität. Ähnlich wie bei uns dominieren auch bei Tieren überwiegend braune Augen – selbst blaue Augen kommen hier nur bei wenigen Arten und überaus selten vor. Oft gehen grüne Augen im Tierreich auf eine gezielte Zucht zurück. Viele Hauskatzen haben heute grüne Augen, die von Hellgrün bis hin zu dunklen Smaragdtönen reichen kann. Vermutlich ist dies ein Grund dafür, dass Katzen bis heute als mystische Tiere gelten.

Deutlich häufiger kommen grüne Augen dagegen bei Reptilien vor. Insbesondere Schlagen und Eidechsen haben häufig eine grüne Augenfarbe, da sie sich dadurch besser in der grünen Natur tarnen können. Daher tritt dieses Phänomen besonders häufig bei Tierarten auf, die auf Bäumen oder in Sträuchern leben – zum Beispiel bei der Grünen Baumpython. Ganz ähnlich verhält es sich auch unter Wasser: Fische, die vornehmlich in grünen Wasserpflanzen leben, haben oft eine grüne Augenfarbe, um optimal an ihren Lebensraum angepasst zu sein.

Bei den Primaten, unseren engsten Verwandten, gibt es dagegen nur sehr wenige Arten mit grünen Augen – ähnlich selten wie beim Menschen also. Eine wichtige Ausnahme ist dabei die Grüne Meerkatze, die hauptsächlich braune Augen hat, aber immer wieder Exemplare mit grünen Augen hervorbringt.

FAQ grüne Augen

Weitere Ratgeber:

Hier findest du weitere fundierte und aktuelle Informationen rund um das Thema Wissen.

Braune Augen

Blaue Augen

Rote Augen